Freezone lohnt sich bei internationalem Geschäft: günstiger im Setup, kein eigenes Büro nötig, 0 % auf Qualifying Income bei erfüllter Substanz. Mainland lohnt sich beim Verkauf an Kunden in den VAE: teurer, Ejari-Pflicht, 9 % über 375.000 AED Gewinn. Stand 09/2026.
Die Frage hinter der Frage
„Freezone oder Mainland" klingt nach einer Standortfrage. Sie ist aber eine Frage danach, wer deine Rechnungen bezahlt. Alles andere — Kosten, Büro, Visa, Steuersatz — folgt daraus.
Sitzen deine Kunden in Europa, den USA oder Asien und nutzt du die Emirate als Standort, ist die Freezone der günstigere und schnellere Weg. Sitzen deine Kunden in Dubai, Abu Dhabi oder Sharjah — Endkunden, Einzelhandel, Behörden, Bauwesen —, brauchst du Mainland. Diese eine Frage beantwortet die meisten Fälle.
Der Entscheidungsbaum in vier Fragen
- Verkaufst du an Kunden innerhalb der VAE? Ja → Mainland. Nein → weiter.
- Brauchst du mehr als etwa sechs Visa? Ja → Mainland wird oft günstiger, weil du das Büro ohnehin brauchst. Nein → weiter.
- Willst du 0 % Corporate Tax anstreben? Ja → Freezone ist Voraussetzung, aber keine Garantie. Nein → beides möglich.
- Willst du in drei Jahren lokal verkaufen? Ja → Freezone jetzt, Mainland-Zweig später. Das ist fast immer billiger als ein Komplettumbau.
Was der Unterschied praktisch bedeutet
| | Freezone | Mainland | |---|---|---| | Eigentum | 100 % ausländisch, immer | 100 % in nahezu allen Aktivitäten seit 2020 | | Verkauf in den VAE | nur über Distributor oder Zweig | direkt | | Öffentliche Aufträge | in der Regel ausgeschlossen | zugelassen | | Büro | Flexi-Desk genügt meist | Ejari-Mietvertrag zwingend | | Visa-Kontingent | paketabhängig | abhängig von der Bürofläche | | Corporate Tax | 0 % auf Qualifying Income bei Substanz, sonst 9 % | 9 % über 375.000 AED, darunter 0 % |
Die Zeile zum Büro wird regelmäßig unterschätzt. Im Mainland bestimmt die Quadratmeterzahl, wie viele Visa du bekommst. Wer mit vier Personen plant und eine Fläche für zwei mietet, steht mitten im Prozess.
Der Steuersatz ist kein Automatismus
0 % auf Qualifying Income für Qualifying Free Zone Persons — Substanz- und Compliance-Bedingungen, jährliche Prüfung (Stand 09/2026, Cabinet Decision No. 100 of 2023)Der Nullsatz gilt nicht für Freezone-Firmen, sondern für Qualifying Free Zone Persons. Drei Bedingungen müssen zusammenkommen: adäquate Substanz in der Zone, Erträge aus qualifizierenden Tätigkeiten, und die De-minimis-Grenze eingehalten — nicht qualifizierende Erträge dürfen 5 % des Umsatzes oder 5 Mio. AED nicht übersteigen, je nachdem was niedriger ist.
Wird die Grenze gerissen, gilt der reguläre Satz auf den gesamten steuerbaren Gewinn, und der Status ist für das laufende sowie die folgenden vier Steuerjahre verloren. Das ist der teuerste Satz in diesem Artikel.
Erträge aus Geschäften mit Kunden im VAE-Mainland gelten grundsätzlich nicht als Qualifying Income. Wer als Freezone-Firma lokal verkauft, zahlt darauf 9 % — und riskiert bei zu großem Anteil den Status insgesamt.
Wann beides zusammen die Antwort ist
Für internationales Kerngeschäft mit wachsendem lokalen Anteil ist die saubere Lösung eine Freezone-Hauptgesellschaft plus Mainland-Zweig für den Marktzugang. Zwei Lizenzen bedeuten zwei Kostenblöcke und zwei Fristenkalender — dafür bleibt der QFZP-Status der Hauptgesellschaft unangetastet.
Für reine Beteiligungsstrukturen ohne operatives Geschäft ist übrigens keines von beiden richtig. Dafür ist eine Holding in RAK ICC, DIFC oder ADGM das sauberere Vehikel.
Was wir empfehlen
Entscheide nach Kundenstruktur, nicht nach Setup-Kosten. Der Unterschied im Setup ist einmalig, die Entscheidung wirkt jahrelang — auf Marktzugang, Steuersatz und darauf, welche Bank dich annimmt.
Und rechne beide Varianten durch, bevor du dich festlegst. Die Erste Einschätzung macht das in 60 Sekunden für deine Aktivität und deinen Visa-Bedarf.
Exit Palm erbringt keine Rechts- oder Steuerberatung. Für rechtliche und steuerliche Fragen arbeiten wir mit lizenzierten Partnern in Deutschland und den VAE zusammen. Alle Angaben ohne Gewähr, Stand siehe Datum.